Kellerbier und Zwickelbier voll im Trend

Alles was ihr über die naturtrübe Stilistik und ihre Varianten wissen müsst

Lange Zeit ignoriert, zählt es heute zu den beliebtesten Biersorten überhaupt: das Kellerbier! Diese naturtrübe Schönheit hat eine jahrhundertealte Geschichte, ein einzigartiges Erscheinungsbild und einen Geschmack, der richtig Lust auf mehr macht – kein Wunder also, dass Kellerbier voll im Trend liegt! Hier erfahrt ihr alles, was ihr über diese Stilistik wissen müsst.

 

Eine kurze Geschichte des Kellerbiers

 

Seinen Ursprung hat das Kellerbier in der zweiten Hälfte des Mittelalters in Bayern, genauer gesagt in Franken. Vor der Erfindung effizienter Kühlmethoden, wurde Bier hauptsächlich in den Wintermonaten gebraut und zur Fermentation und Reifung in den Kellergewölben der Brauereien oder Klöster gelagert. Dafür wurden meist ungespundete Eichenfässer verwendet, also Fässer, mit einem kleinen Loch (Spundloch) an der Oberseite, das zum Zweck des Druckausgleichs nicht verschlossen wurde.

Durch das offene Spundloch konnte das bei der Gärung entstandene CO2 entweichen und die idealen Umweltbedingungen im Keller verhinderten einen negativen Einfluss auf das Bier. Da das Kellerbier weder pasteurisiert noch filtriert wurde, verlor es kaum an Aroma und Geschmack.

 

Was ist Kellerbier?

 

Woher das Kellerbier seinen Namen hat, sollte naheliegen, doch ein Kellerbier genau zu bestimmen, fällt dann doch nicht so leicht. Tatsächlich gibt es keine eindeutige, rechtlich verbindliche Definition von Kellerbier. Kennzeichnend ist die natürliche Trübheit, die darauf zurückzuführen ist, dass das Bier nicht gefiltert wird und somit die meisten Trübstoffe erhalten bleiben. Neben dem charakteristischen Erscheinungsbild sorgen diese auch dafür, dass Kellerbier besonders vitaminreich und nahrhaft ist.

Abgesehen davon gibt es jedoch kaum Merkmale, die für ein Kellerbier zwingend sind: Es kann hell oder dunkel sein, ist meistens untergärig, kann aber auch obergärig sein und je nach Grundstilistik kann es die verschiedensten Geschmacksfacetten an den Tag legen. Genau das macht Kellerbier so spannend!

 

Unterschied zum Zwickelbier

 

Häufig wird der Begriff Zwickelbier, Zwickel oder Zwickl als Synonym für Kellerbier verwendet, doch tatsächlich gibt es zwischen den beiden einen feinen Unterschied. Der Begriff Zwickelbier leitet sich vom Zwickelhahn ab, welchen der Braumeister verwendet, um jegliches Bier direkt aus dem Lagertank zu verkosten. Beim sogenannten Zwickeln werden also sämtliche Bierstile auf ihre Qualität getestet und der Reifungsgrad bestimmt.

Da auch Kellerbier direkt aus dem Lagertank ausgeschenkt bzw. abgefüllt wird, kann man Folgendes festhalten: jedes Kellerbier ist ein Zwickelbier, aber nicht jedes Zwickelbier ist ein Kellerbier.

Varianten: Zoigl und Kräusen

 

Eine besondere Form des Kellerbiers stellt das Zoigl aus der Oberpfalz dar. Dieses Bier entsteht in den sogenannten Kommunbrauhäusern, vereinsähnlichen Brauereien, die von den Bürgern finanziert werden. Die Würze wird im Kommunbrauhaus gekocht, die Privatbürger nehmen sie aber dann mit nach Hause in den eigenen Keller, wo sie sie mit Hefe versetzen, gären und lagern. Dabei entstehen auf kleinster Fläche unglaublich verschiedene Kleinstilistiken, da jeder Brauer zu Hause nach eigener Rezeptur vorgeht. Tatsächlich ist das Zoigl-Brauen seit 2018 teil des immateriellen Kulturerbes Deutschlands nach UNESCO.

Auch das sogenannte Kräusenbier kann aufgrund seiner natürlichen leichten Trübung als Kellerbier klassifiziert werden. Das Besondere daran ist, dass bei Kräusenbier dem fertig gebrauten Bier ein kleiner Anteil an noch gärendem Jungbier zugesetzt wird. Dadurch reift das Kräusen im Tank oder in der Flasche noch weiter und erhält eine höhere Geschmacksfülle und Frische.

 

Distelhäuser Kellerbier

 

Das Distelhäuser Kellerbier verdeutlicht treffend, wie flexibel die Definition von Kellerbier ist. Anders als klassische Kellerbiere wird dieses mit obergäriger Hefe gebraut. Dafür haben die Braumeister ein eigenes Rezept entwickelt, das die Verwendung von Weizenmalz und die Gärung in offenen Bottichen erfordert. Das Ergebnis ist ein honiggelbes, naturtrübes Kellerbier mit außergewöhnlich frischen und fruchtigen Aromen und einer leichten Karamellnote am Gaumen.

 

HB München Winterzwickl

 

Das Winterzwickl von HB München ist das perfekte Bier für die kalte Jahreszeit. Als Zwickelbier ist es naturtrüb und noch vollmundiger als ein klassisches Münchner Dunkel. Dunkles Braun mit malzig fruchtigen Aromen in der Nase, am Gaumen harmonisch mit Anklängen von Karamell, Schokolade und einer dezenten Malznote.

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