HB Oktoberfestzelt: Ein Blick hinter die Kulissen
Die unsichtbare Arbeit hinter dem wahrscheinlich beliebtesten Zelt auf der Wiesn
Wer es schafft, beim Oktoberfest dem Hofbräu Festzelt einen Besuch abzustatten, kann sich auf ein wirklich einzigartiges Erlebnis gefasst machen. Das HB-Zelt ist eines der größten und beliebtesten Zelte auf der ganzen Wiesn und vom Oktoberfest nicht wegzudenken. In diesem Blog werfen wir einen Blick hinter die Zeltkulissen und sehen uns an, was alles hinter dem Kultstatus des vielleicht beliebtesten Zeltes des Oktoberfests steckt.
Ein Blick hinter die Kulissen
Mit insgesamt rund 5.200 m² Zeltfläche und weiteren 2.365 m² Gartenfläche ist das Hofbräu-Zelt eines der größten seiner Art und fasst fast 9.000 Sitzplätze. Darüber hinaus ist es das einzige Zelt am Oktoberfest, das einen eigenen Stehbereich (vor der Bühne) hat, der für weitere 1.000 Plätze sorgt. Somit kommt das Zelt auf insgesamt rund 10.000 Plätze.
Auf diesen Plätzen wird natürlich auch reichlich konsumiert: Im Laufe der Wiesn werden im HB-Zelt ca. 70.000 halbe Hendln, mehr als 6.000 Schweinshaxen, ca. 4.150 Paar Schweinswürste und 2.300 Portionen Ente verzehrt. Dass die deftige Kost auch ordentlich Durst macht, zeigt sich ganz deutlich an den fast 7.500 hl Bier, die ausgeschenkt werden. Doch wie kommt dieses Bier überhaupt auf die Wiesn?
Wie kommt das Bier auf die Wiesn?
Das Oktoberfestgelände darf von 09.00 Uhr bis 24.00 Uhr nicht befahren werden, deshalb muss die Bierlieferung per Tankwagen genau getaktet sein. Kaum schlägt die Uhr Mitternacht, fährt der erste 200 hl-Biertanker von HB die Schänke an und beginnt mit der Befüllung der Tanks. Insgesamt 13 Tanks zu je 70 bzw. 50 hl gilt es zu befüllen.
Insgesamt fährt der Tanker etwa 3 Mal pro Nacht zwischen der Wiesn und der HB München Brauerei hin und her und braucht beim Betanken jeweils etwa 20 Minuten pro Tank. Insgesamt dauert die gesamte Befüllung der HB-Zelt-Tanks zwischen 7 und 8 Stunden. Da die Tanks aufgrund des Drucks nicht gänzlich gefüllt werden dürfen, sind im HB-Zelt täglich rund 780 hl Bier vorhanden.
Wie bleibt das Bier kühl?
Das Bier hat beim Befüllen der Tanks eine Temperatur von etwas 1-3 °C und die Tanks im HB-Zelt haben unglaublich dicke Wände: Ganze 20 cm misst die Wanddicke! Dadurch entsteht eine derart gute Isolierung, dass selbst wenn die Tanks den ganzen Tag über dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt wären, die Temperatur des Biers kaum mehr als 1 °C steigen würde. So schmeckt selbst auf der Wiesn jede Maß wie frisch im Keller gezapft!
Wie wird das Zelt gereinigt?
Während die Einen sich noch fröhlich zuprosten und die Anderen schon ihren Rausch ausschlafen, gibt’s Dritte, die sich an die Arbeit machen, auf dass am nächsten Tag das HB-Zelt wieder blitzeblank zum Weiterfeiern einlädt. Die Reinigung des Hofbräu-Zelts, für die es bis zu 30 Reinigungskräfte braucht, beginnt um 22:30 Uhr mit dem Einsammeln der unbeschädigten Maßkrüge. Danach werden die schweren Geschütze aufgefahren: Kehrmaschinen, Dampfstrahler und riesige Besen kommen zum Einsatz, um Tische, Bänke und Böden wieder für den nächsten Festtag präsentabel zu machen. Die Reinigungsarbeiten im HB-Zelt können bis in die frühen Morgenstunden dauern. Denkt also bei eurem nächsten Besuch im HB-Zelt daran, auch auf das Reinigungspersonal anzustoßen!
Der Engel Aloisius
Über all das rege Treiben im HB-Zelt, vom Essen und Trinken über das Befüllen der Tanks bis hin zum Putzen, wacht stets ein vertrautes Gesicht: das des Engel Aloisius. Der zweieinhalb Meter große Engel aus extrudiertem Kaltschaum wiegt etwa 150 kg und dreht sich gemächlich um die eigene Achse, damit er auch alles im Blick hat.
Die Geschichte des Engels geht auf die Erzählung „Ein Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma zurück, deren Hauptfigur der Münchner Dienstmann Alois Hingerl ist. Sein Erscheinungsbild ist der Trickfilm-Version von Walter und Traudl Reiner aus dem Jahr 1962 nachempfunden.
Alois geriet bei einem Botengang in solcher Hast, dass ihm der Schlag traf und er starb. Als er im Himmel aufgenommen wurde, vertraute ihm Petrus seine neue Aufgabe als harfenspielender Hosianna-Sänger an. Mit diesem Auftrag konnte sich Alois nicht so recht anfreunden, insbesondere nicht, da es im Himmel nichts Gescheites zum Trinken gab. Als Alois vor Gott protestierte, erkannte der Allwissende, dass der neue Engel wohl besser als Bote geeignet war, um der bayrischen Regierung göttlichen Rat zu überliefern. Also sandte er Alois zurück auf die Erde.
Als der Bote wieder den Münchner Boden unter seinen Füßen spürte, war es, als wäre er tatsächlich im Himmel. Und ganz wie aus Gewohnheit zog es Alois in Richtung Hofbräuhaus, wo er sich an seinen Stammtisch setzte und eine Maß bestellte. Und dann noch eine. Und noch eine… und noch eine…
Und so kommt es, dass die bayrische Regierung noch bis heute auf die göttliche Eingebung wartet.